In 3 Schritten zur Asset Allocation

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In 3 Schritten zur Asset Allocation

Wie du die richten Entscheidungen für deine Portfoliogewichtung triffst

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Einleitung

In meinem letzten Beitrag habe ich erläutert, wie man in 5 Schritten zum persönlichen Investitionsbudget gelangt. Dieser Beitrag baut darauf auf und beschreibt drei weitere Schritte, die man bedenken sollte, um zur persönlichen Asset Allocation zu gelangen. Dabei geht es um die sog. Level-I-Asset-Allocation (vgl. Kommer, 2018*) zur Bestimmung des risikobehafteten und risikoarmen Portfolioanteils.

Der risikobehaftete Anteil soll die Renditen bringen, der risikoarme Anteil hingegen das Portfolio stabilisieren. In den Risiko-Teil kommen die Aktien bzw. ETFs, der risikoarme Teil besteht hingegen in der Regel aus Zinsanlagen, also aus Tages- oder Festgeld oder auch aus Anleihen bzw. Anleihen-ETFs mit entsprechend guten Ratings und nicht zu langer Laufzeit.

Doch wie hoch sollen die beiden Portfolioanteile gewichtet werden? Es gibt allgemeine Faustregeln wie zum Beispiel

100 – Lebensalter = Anteil risikobehafteter Portfolioanteil

die jedoch nur sehr grobe Richtlinien darstellen, keine Allgemeingültigkeit besitzen und die individuelle Situation nicht berücksichtigen. Man findet sie in der Literatur etwa bei John C. Bogle (z.B. in Das kleine Handbuch des vernünftigen Investierens*) oder bei Benjamin Graham (z.B. in Intelligent Investieren*). Um etwas mehr in die Tiefe zu gehen, lohnt es sich, für die Bestimmung der beiden Portfolio-Anteile folgende Fragen zu klären:

Die Beantwortung dieser Fragen kann dir dabei helfen, mit fundierten Überlegungen in 3 Schritten zur Asset Allocation zu gelangen.

Die Risikotragfähigkeit

Bei der Bestimmung der Risikotragfähigkeit sollte man am besten mehrere Faktoren berücksichtigen:

Der Anlagehorizont

Je länger der Anlagehorizont ist, umso größer kann der Aktienanteil im Portfolio ausfallen. Warum? Je länger der Anlagehorizont ist, desto größer ist auch die Möglichkeit, unvermeidbare Bärenmärkte oder sogar Aktienmarkt-Crashs auszusitzen.

Betrachtet man zum Beispiel den Aktienindex MSCI World, so zeigte eine Untersuchung für den Zeitraum zwischen 1975 und 2018, dass man bei einer Mindesthaltedauer von 15 Jahren keinen Verlust hinnehmen musste, egal zu welchem Zeitpunkt man als Anleger mit einer Investition eingestiegen war. Im schlechtesten Fall erzielte man eine Rendite von 1,3 % pro Jahr, im besten Fall eine Jahresrendite von 14,4 % und im Durchschnitt 7,9 % pro Jahr.1

Anhand von Monte-Carlo-Simulationen (das ist eine Vorhersagetechnik, bei der ein mathematischer Algorithmus zur Lösungsfindung einer wahrscheinlichkeitsmathematischen Problemstellung eingesetzt wird; vgl. Kommer, 2020*) und einer festgelegten Erfolgswahrscheinlichkeit von mindestens 90 % haben Swedroe & Berkin (2020)* eine Tabelle erstellt, die bei der Festlegung der Risikotragfähigkeit helfen können.

Dabei wird beispielsweise bei einem Anlagehorizont von 5 Jahren eine maximale Aktienquote von 20 % empfohlen, bei 10 Jahren von 60 %, bei 12 – 15 Jahren von 80 % und bei einer Haltedauer von 20+ Jahren von bis zu 100 %.

Möchte man von einer höheren Erfolgswahrscheinlichkeit als 90 % ausgehen, sollte man entsprechend konservativer gewichten. Zudem empfehlen die Autoren, im risikoarmen Anteil keine Anleihen aufzunehmen, deren Restdauer länger als der Anlagehorizont ist. Anleihen sollen dem Portfolio letztlich die nötige Sicherheit beisteuern sollen und längerdauernde Anleihen ein zusätzliches Risiko darstellen würden.

Die Einkommensstabilität

Der Anlagehorizont ist aber nicht der einzige Faktor, der im Zuge der Risikotragfähigkeit berücksichtigt werden sollte. Auch das Humankapital bzw. die Einkommenssituation sollte bedacht werden, vor allem im Hinblick darauf, wie stabil das Einkommen ist. Das Asset Humankapital variiert je nach Alter, Gesundheit, Bildung, Beruf, Branche und Erfahrung. Je höher die Einkommensstabilität, desto größer ist auch die Fähigkeit, die Risiken zu tragen, die mit Aktien-Investments einhergehen.

So haben etwa Beamte grundsätzlich eine höhere Einkommensstabilität, als Arbeiter in hochzyklischen Branchen oder Unternehmer mit zyklischen Einkünften. Ähnlich wie der risikoarme Portfolioanteil haben auch einkommensstabilere Berufe die Eigenschaft, das Portfolio zu stabilisieren. Als Investor kann man sich also fragen, ob der eigene Job als Bestandteil des Portfolios eher einer kurzfristigen Anleihe oder einen Festgeldkonto entspricht oder doch eher einer Aktie mit starken Schwankungen.

Die Notwendigkeit, liquide zu bleiben

Hier wird nochmals der im letzten Artikel bereits besprochene Notgroschen erwähnt. Der risikoarme Portfolioanteil ist nicht dazu gedacht, als Cashreserve für spätere Anschaffungen oder als Notgroschen zu dienen. Stattdessen soll er der Sicherheitsanker des Portfolios sein. Falls du meinen Artikel zum Investitionsbudget noch nicht gelesen hast, möchte ich dich hiermit gerne nochmals darauf verweise und dich dazu anregen, jedenfalls darauf zu achten, einen ausreichen großen Notgroschen angespart zu haben, bevor du mit dem Investieren beginnst. Eine Reparatur am Haus oder am Auto kann unvorhergesehen jederzeit eintreten und dann möchte man nicht auf sein Investmentportfolio zurückgreifen müssen.

Bedenke bitte auch, dass unvorhersehbare Ereignisse ihrem Namen tatsächlich auch alle Ehre machen können. Es kann ein Ereignis eintreten, dass noch nie zuvor eingetreten ist und daher im Vorfeld auch nicht bedacht werden kann. Wenn es jedoch eintritt, sollte man dafür gewappnet sein. Ich bin daher auch ein Verfechter, den Notgroschen lieber etwas großzügiger zu bemessen. Ich kann dir zu diesem Thema auch empfehlen, vor allem das Kapitel 13 – Room for Error aus Morgan Housels Buch The Psychology of Money* zu lesen.

Die Risikobereitschaft

Was deine persönliche Risikobereitschaft betrifft, solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Habe ich die Kraft und die Disziplin bei meiner Investmentstrategie zu bleiben, wenn es ungemütlich wird?
  • Werde ich noch Spaß am Leben haben und keine schlaflosen Nächte verbringen, weil ich mir um mein Portfolio zu viele Sorgen mache?

Die Antworten auf diese Fragen helfen, die Risikobereitschaft festzulegen. Es geht letztlich darum, dass der Erfolg eines Investmentportfolios wesentlich von der Fähigkeit des Investors abhängt, längere Stressperioden und die damit verbundenen emotionalen Herausforderungen auszuhalten. Man denke z.B. nur an die schweren Bärenmärkte zwischen 1973-1974, 2000-2002 und 2008-2009.

Eine Möglichkeit, die Risikobereitschaft zu quantifizieren wäre etwa, den Anteil des risikobehafteten Portfolioanteils (also den ETF- und Aktienanteil) vom maximal tolerierbaren Buchverlust des Gesamtportfolios abhängig zu machen.

Beträgt der maximal tolerierbare Buchverlust etwa 10 %, so könnte man den Aktienanteil sehr konservativ mit max. 10 % festsetzen. Ist man bereit größere Buchverluste hinzunehmen, etwa im Ausmaß von 30 %, könnte der Aktienanteil eine ausgewogene Größe von etwa 50 % betragen. Liegt die Schmerzgrenze bei 50 % Verlust, könnte man den Aktienanteil eventuell sogar mit 80 % festsetzen. Wäre man bereit, noch größere Verluste hinzunehmen, könnte der Aktienanteil im Portfolio eventuell noch höher ausfallen.

Dies sind grobe Richtlinen, die Larry Swedroe & Andrew Berkin in ihren Büchern gerne vorschlagen (vgl. etwa The Incredible Shrinking Alpha* oder Your Complete Guide to a Successful & Secure Retirement*). Sie können dazu dienen, nach der Bestimmung der Risikotragfähigkeit, weitere Anpassungen an der Portfoliogewichtung vorzunehmen.

Beachte allerdings folgendes:

Um einen Kursverlust auszugleichen, benötigt es überproportionale Kursgewinne! Verliert dein Portfolio 20 % an Wert, würdest du 25 % benötigen, um den Kursverlust wieder auszugleichen. Verliert dein Portfolio 30 % an Wert, benötigst du bereits 42,86 % an Gewinnen für einen Ausgleich. Ein Verlust von 50 % würde in weiterer Folge einen Gewinn von 100 % erfordern, um wieder denselben Wert zu erreichen, wie vor dem Verlust. Bei einem Kursverlust von 90 % würdest du sogar einen anschließenden Zugewinn von 900 % benötigen, um den erlittenen Buchverlust wieder wett zu machen.

Die folgende Tabelle soll dies noch verdeutlichen:

Kursverlust Benötigter Kursgewinn
10 % 11,11 %
20 % 25,00 %
30 % 42,86 %
40 % 66,67 %
50 % 100,00 %
60 % 150,00 %
70 % 233,33 %
80 % 400,00 %
90 % 900,00 %
100 %

Wenn du dir die durchschnittlichen Renditen von verschiedenen Investmentportfolios oder Indizes wie dem MSCI World ansiehst, kannst du dir vorstellen, wie lange dein Anlagehorizont sein müsste, um solch große Verluste wieder auszugleichen und wie unrealistisch dies in den allermeisten Fällen sein wird. Diversifikation sollte daher immer einen großen Stellenwert in deiner Investmentstrategie haben.

Hier findest du einen Online-Rechner, mit dem du die nach einem Kursverlust benötigten Kursgewinne berechnen kannst. Es hat durchaus Sinn, mit solchen Tools ein paar verschiedene Verlustszenarien zu simulieren, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Auswirkungen Buchverluste auf dein Portfolio tatsächlich haben können, auch wenn du nicht vorhast diese zu realisieren und dein Anlagehorizont entsprechend lange ist.

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Die Risikonotwendigkeit

Zu guter Letzt wollen wir noch die Frage klären, in welchem Ausmaß du Risiken eigentlich eingehen musst. Dazu passt folgendes Zwiegespräch zwischen dem Autor Joseph Heller und Kurt Vonnegut:

„Heller and I were at a party given by a billionaire on Shelter Island. I said, ‘Joe, how does it make you feel to know that our host only yesterday may have made more money than your novel Catch-22 has earned in its entire history?’ Joe said, ‘I’ve got something he can never have.’ And I said, ‘What on earth could that be, Joe?’ And Joe said, ‘The knowledge that I’ve got enough.’”

Es geht hier vor allem um die Frage, in welcher Phase der Vermögensbildung man sich gerade befindet. Hast du gerade erst damit begonnen und noch wenig Vermögen aufgebaut, wirst du einen größeren risikobehafteten Anteil benötigen, um die nötigen Renditen zu erzielen, die dich deinem Investmentziel näher bringen.

Befindest du dich hingegen bereits in einem vorangekommenen Stadium des Vermögensaufbaus, musst du Risiken nicht mehr in dem Ausmaß eingehen, wie in einer früheren Phase. Hier spielt vor allem der psychologische Aspekt eine wichtige Rolle, denn vielen Investoren fällt es schwer, später einmal den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, selbst wenn sie ihr Ziel bereits erreicht haben.

Es lohnt sich jedoch, in sich zu gehen und für sich selbst zu definieren, ab wann man eigentlich genug hat und wann man eigentlich dort angekommen ist, wo man ursprünglich hin wollte. Leider übernehmen sich auch bereits sehr erfahrene und vermögende Investoren und gehen Risiken ein, die sie gemäß ihrem Investmentziel gar nicht mehr eingehen hätten müssen.

Du solltest dich also fragen, inwieweit es wert ist, den Verlust von etwas zu riskieren, das man bereits hat und auch benötigt, für etwas, das man noch nicht hat, aber auch nicht benötigt.

Denn eines ist gewiss:

„Genug“ ist nie zu wenig!

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Dies ist keine Anlage- oder Finanzberatung. Beachte bitte die Informationen im Disclaimer.

Quellennachweis:

1 MSCI World Index. So funktioniert das globale Kursbarometer. Quelle: https://www.finanztip.de/indexfonds-etf/msci-world/ (abgerufen am 17.1.2021)

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Von |2021-01-21T20:20:22+02:0019. Januar 2021|Finanzielle Bildung|2 Kommentare

2 Kommentare

  1. Juno Moneta 1. Februar 2021 um 22:58 Uhr - Antworten

    Schöner Artikel! Interessanter Aspekt mit der Risikonotwendigkeit (wann ist man dort angekommen, wo man hinwollte und gibt sich damit zufrieden).

    • admin 1. Februar 2021 um 23:09 Uhr - Antworten

      Vielen Dank für die Rückmeldung! Das finde ich auch. Gerade bei Börseninvestments fällt es einem wohl schwer, etwas kürzer zu treten, wenn der Zinseszins-Zug mal ins Rollen gekommen ist. Aber wie heißt es so schön: „Enough is not too little!“

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